Pubertät: Das rätselhafte Alter

 

Wenn Jugendliche rebellieren, provozieren, immer wieder auf der Suche nach dem nächsten „Kick“ sind oder sich total zurückziehen und für niemanden mehr erreichbar sind, sind sie im rätselhaften Alter: der Pubertät.

Hatte man früher noch geglaubt, dass diese sprunghaften Verwandlungen ausschließlich auf den veränderten Hormonhaushalt zurückzuführen sind, so ist die neuere Hirnforschung davon überzeugt, dass sich das Volumen des Hirns vor den Teenagerjahren enorm vergrößert , wobei die verschiedenen Hirnregionen keineswegs im Gleichtakt reifen.

Dieser Umbau des Gehirns ist erst mit dem 25. Lebensjahr abgeschlossen.

 

Aber nicht nur diese weitreichenden körperlichen Veränderungen sind dafür verantwortlich, wie Teenager und Erwachsene die Pubertät erleben – auch die kulturelle Herkunft bestimmt, wie die Zeit des Suchens, Ausprobierens und Rebellierens ausgelebt werden kann.

Die Emotionen bewegen sich in diesen Jahren auf und ab wie beim Trampolinspringen , wobei den Eltern leider die „Rolle des Sprungtuchs“ zukommt.  Denn um sich selbst suchen und finden zu können, müssen die Jugendlichen erst einmal die übermächtigen direkten Bezugspersonen abschütteln , in deren Schutzzone sie bisher gelebt haben.

So haben die Eltern jetzt als Vorbilder ausgedient und sie werden zum Gegenspieler: diese Auseinandersetzungen sind ein notwendiges Ritual , das Eltern und Kinder durchleben müssen. Die Eltern haben die Aufgabe, dies möglichst gelassen auszuhalten – ehrlich zu reagieren und die Gegenposition zu akzeptieren.

Aber nicht bei allen Jugendlichen stellen sich die Ablöseprozesse heftig dar: bei ca. 30% vollzieht sich das Erwachsenwerden denkbar unspektakulär.

 

Bei vielen nehmen auch die Konflikte nicht unbedingt an Häufigkeit, aber an Intensität zu.

Und was ist mit den anderen? Es mag vielleicht zynisch klingen, aber der Pubertätsstress ist auch eine Therapie für Erwachsene, denn – indem die Pubertierenden sich eine Zeitlang daneben benehmen, tun sie im Grunde genommen nichts anderes, als ihren Eltern die spätere Trennung zu erleichtern .

Und eine weitere Faustregel besagt, dass je enger das Verhältnis zwischen Eltern und Kind ist, desto stürmischer stellt sich oft der Trennungskampf dar.

Vielleicht wäre allen ein bisschen geholfen, wenn sie sich so verhielten, als hätten Jugendliche ein Warnschild umhängen, das besagt:“ Achtung! Wegen wichtiger Bauarbeiten an Hirn, Herz und Hormonen kommt es vorübergehend zu Unannehmlichkeiten, Wir bitten um Ihr Verständnis.“

vgl. Harald Willenbrock: „Warum sie so seltsam sind“ in GEO 9/2005, S. 134-158

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