Jahresarchive: 2018

“Ich esse eure Suppe nicht!”

Einige ungewöhnliche Verhaltensweisen, die sich ums Essen drehen, werden in unserer Gesellschaft mediziniert.

Sie werden als Krankheiten betrachtet, entsprechend behandelt und auch mit pathologisierenden Begriffen belegt. Aus systemischer Sicht ergibt sich die Bedeutung der Verweigerung von Nahrung oder vom Vertilgen großer Mengen in kürzester Zeit aus dem jeweiligen Zusammenhang, in den dieses Verhalten eingebettet ist.

Folgerichtig sind auch die Möglichkeiten des Umgangs mit problematischem Essverhalten andere.

Ziel einer familientherapeutischen Behandlung von Klientinnen mit merkwürdigem Essverhalten ist es, die familiären Beziehungen dahingehend zu verändern, dass sich der Index-Klientin Möglichkeiten eröffnen, ihr restriktives Essverhalten aufzugeben.

Vgl. hierzu: Psychotherapie der Essstörungen, Thieme Verlag Stuttgart 1997

Sorge, Schwarze: „Ich esse eure Suppe nicht!“, Verlag Modernes Leben, Dortmund 2006

Pubertät: Das rätselhafte Alter

 

Wenn Jugendliche rebellieren, provozieren, immer wieder auf der Suche nach dem nächsten „Kick“ sind oder sich total zurückziehen und für niemanden mehr erreichbar sind, sind sie im rätselhaften Alter: der Pubertät.

Hatte man früher noch geglaubt, dass diese sprunghaften Verwandlungen ausschließlich auf den veränderten Hormonhaushalt zurückzuführen sind, so ist die neuere Hirnforschung davon überzeugt, dass sich das Volumen des Hirns vor den Teenagerjahren enorm vergrößert , wobei die verschiedenen Hirnregionen keineswegs im Gleichtakt reifen.

Dieser Umbau des Gehirns ist erst mit dem 25. Lebensjahr abgeschlossen. Weiterlesen

Susa, Timo und die Buchstabenverschwörung

Aktueller Buchtipp: Susa, Timo und die Buchstabenverschwörung

Erster Kinderroman, der das Thema Legasthenie aufgreift

 

Schön, dass wir an dieser Stelle auf ein kleines Büchlein aufmerksam machen dürfen, das von einer Lerntherapeutin geschrieben wurde, die kindgerecht das Thema Legasthenie aufgegriffen hat.

 

Die Hauptfiguren Susa und Timo haben nämlich eines gemeinsam: ihre Probleme mit der Rechtschreibung. Timo findet alles doof, was mit Buchstaben, Lesen und Schreiben zusammenhängt. Viel lieber erzählt er Hunde-Geschichten. Glücklicherweise trifft er auf Susa, die kurzerhand seine Geschichten aufschreibt, obwohl sie auch Probleme mit der Rechtschreibung hat. Sie zeigt Timo, der sehr unter den Hänseleien seiner Mitschüler leidet, dass man sich nicht unterkriegen lassen darf und verhilft ihm zu neuem Selbstvertrauen.

Die Kinder in dem Roman werden trotz ihrer Probleme nicht als Verlierer wahrgenommen, sondern machen die Erfahrung, dass es sich lohnt, für ihre Ziele zu kämpfen

 

Birgit Ebbert: Susa, Timo und die Buchstabenverschwörung, Arena Verlag 2013, € 4,99

Technische Hilfsmittel bei LRS

Lernchancen verbessern durch technische Hilfsmittel

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Schweden, Finnland, England, Kanada und den Niederlanden, in denen es gängige Praxis ist, dass Legastheniker technische Hilfsmittel wie Laptops mit Rechtschreibhilfen oder eine Vorlesesoftware nutzen können, ist dies in Deutschland keineswegs selbstverständlich.

In Deutschland muss zur Zeit noch der Einsatz technischer Hilfsmittel von jedem betroffenen SchülerIn hart erkämpft werden.

Der Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie hat im Herbst 2011 einen groß angelegten Ländervergleich gestartet, der einen großen Nachholbedarf beim Einsatz technischer Hilfsmittel festgestellt hat.

Lesen Sie mehr dazu unter: www.bvl-legasthenie.de

Der Wanderer

In der persischen Mystik wird von einem Wanderer erzählt, der mühselig auf einer scheinbar endlos langen Straße entlang zog.

Er war über und über mit Lasten behangen. Ächzend und stöhnend bewegte er sich Schritt für Schritt vorwärts, beklagte sein hartes Schicksal und die Müdigkeit, die ihn quälte.

Auf seinem Weg begegnete ihm in der glühenden Mittagshitze ein Bauer. Der fragte ihn:“Oh, müder Wanderer, warum belastest du dich mit diesen Felsbrocken?“- „zu dumm,“ antwortete der Wanderer, „aber ich hatte sie bisher noch nicht bemerkt.“

Darauf warf er die Brocken weit weg und fühlte sich viel leichter.

Wiederum kam ihm nach einer langen Wegstrecke ein Bauer entgegen, der sich erkundigte: „Sag, müder Wanderer, warum plagst du dich mit einem halbfaulen Kürbis auf dem Kopf und schleppst an Ketten so schwerer Eisengewichte hinter dir her? “Es antwortete der Wanderer:“Ich bin sehr froh, dass du mich darauf aufmerksam machst; ich habe nicht gewusst, was ich mir damit antue.“

Er schüttelte die Ketten ab und zerschmetterte den Kürbis im Straßengraben. Wieder fühlte er sich leichter.

Doch je weiter er ging, umso mehr begann er wieder zu leiden. Ein Bauer, der vom Feld kam, betrachtete den Wanderer erstaunt: „Oh, guter Mann, du trägst Sand in deinem Rucksack, doch was du in weiter Ferne siehst, ist mehr Sand, als du jemals tragen könntest. Und wie groß ist dein Wasserschlauch – als wolltest du die Wüste Kawir durchwandern. Dabei fließt neben dir ein klarer Fluss, der deinen Weg noch weit begleiten wird!“ „Dank dir, Bauer, jetzt merke ich, was ich mit mir herumgeschleppt habe.“

Mit diesen Worten riss der Wanderer den Wasserschlauch auf, dessen brackiges Wasser auf dem Weg versickerte, und füllte mit dem Sand aus dem Rucksack ein Schlagloch, Er blickte an sich herab, sah den schweren Mühlstein an seinem Hals und merkte plötzlich, dass der Stein es war, der ihn noch so gebückt gehen ließ. Er band ihn los und warf ihn, soweit er konnte, in den Fluss hinab.

Frei von seinen Lasten wanderte er durch die Abendkühle, eine Herberge zu finden.

 

Zit. Nach Nossrat Peseschkian: Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast, Herder 7. Auflg. 2014S. 14 ff.

Facetten des ADHS

Man kann sagen, ADHS ist brillant. Es zeichnet sich durch seinen Facettenreichtum aus, nicht nur in Hinblick auf seine Erscheinungsweise. Sondern vor allem im Hinblick auf die vielen Deutungen, mit welchen es bedacht wird. Für den Neurobiologen Gerald Hüther sind Kinder mit ADHS Menschen „die sich nicht funktionalisieren lassen“, sich den Ansprüchen der Gesellschaft widersetzen. Lynn Weiss, die amerikanische ADS-Spezialistin und selbst von dem Syndrom betroffen, spricht hingegen positiv von ihrem ADHS:“ Bin ich froh, dass ich ADS habe!“ Anders der Dichter Edgar Allan Poe. Auch er war betroffen. Unter diesem Eindruck lässt er den Held einer seiner Erzählungen fragen:“Lebte ich nicht vielleicht in einem Traum und sterbe als ein Opfer geheimer und schrecklicher äußerer Kräfte, die in uns wirken?“ Die Beispiele, wie ADHS interpretiert wird, lassen sich fortsetzen. Weiterlesen